NOIZZ.de: Mit zwölf Jahren gewann er die zweite Staffel der US-amerikanischen Kochshow „Masterchef Junior“, heute ist er der jüngste Spitzenkoch der Welt: Logan Guleff erzählt, was Barack Obama ihm zum Essen serviert hat, was Kindheit für ihn bedeutet und wie er mit dem Druck in der Gastronomie umgeht.

Er begann im Alter von zwei Jahren zu kochen, gewann mit neun Jahren unter anderem den „Jif Most Creative Sandwich“-Wettbewerb und hat bereits sein eigenes Kochbuch veröffentlicht: Logan Guleff gehört mittlerweile zu den besten Spitzenköchen der Welt. Dabei ist US-Amerikaner erst 18 Jahre alt. Laut dem Times Magazine zählt er zu den 30 erfolgreichsten Teenager weltweit. Das Forbes Magazine listet ihn sogar unter „18 unter 18: Jugendliche Unternehmer, die die Welt verändern können“. Logan hat Erfolg – aber wie sieht es mit der Freizeit aus?

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Im NOIZZ-Interview erzählt der Teenager, wie seine Eltern ihm ein Stückchen Kindheit bewahren konnten – und wie er mit dem Druck in der Küche umgeht. Von Dosen-Ravioli auf Festivals hält er nicht besonders viel, mit dem Thermomix könnte er sich aber anfreunden.

Starkoch Logan Guleff im NOIZZ-Interview:

NOIZZ: Kinder im Alter von neun Jahren geben sich normalerweise mit Spaghetti-Ketchup zufrieden. Du hast im gleichen Alter schon an einem Kochwettbewerb teilgenommen.

Logan Guleff: Das alles hat wegen eines Streits zwischen mir und meinem Vater angefangen. Ich war ziemlich vernarrt in Essen und hatte schon einige coole Kochwettwerbe gewonnen. Die Show „MasterChef Junior“ lief im Fernsehen. Ich wollte das nicht angucken, mein Vater aber schon. Er wollte wissen, warum er das ausschalten sollte. Ich meine, ich möchte das nicht ansehen – weil ich besser wäre und diese Show selbst gewinnen könnte.

Er ließ das unkommentiert, schaltete um – kam am nächsten Tag aber mit einem Antrag nach Hause. Es ging um die nächste Staffel „MasterChef Junior“. Ich wollte meine Aussage nicht zurückziehen, nahm teil und gewann ein paar Monate später die Show.

Und nur fürs Protokoll: Ich habe noch nie Spaghetti mit Ketchup gegessen. Auch keine Chicken Nuggets. Manche Dinge haben nichts mit Essen zu tun.

Wie sieht es aus mit Ravioli aus der Dose auf Festivals? Für viele ist das ein jährliches Highlight, ein kulinarischer Leckerbissen.

Logan: Was? Dosenravioli und kulinarischer Leckerbissen im selben Satz? Ich versuche, zu begreifen, wie Leute das super finden können.

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Was ist denn dein „Guilty Pleasure“-Essen?

Logan: Okay – ich liebe diese Instant-Ramen-Nudeln aus den Styroporschalen. Ich weiß, sie haben so gut wie keinen Nährwert und könnten theoretisch auch aus Karton hergestellt sein – aber es macht mir wirklich Spaß, jede Instant-Nudel-Marke und jeden Geschmack auszuprobieren. Wenn ich eine aussuche, diskutiere ich über die Ausgewogenheit von Nudelqualität, Suppenstärke und Geschmack und schließlich über Toppings oder besondere Macken. Ich beschäftige mich ziemlich intensiv mit Instant-Ramen, aber das ist nichts im Vergleich zu meiner Salzsammlung.

Du hast eine Salzsammlung?

Logan: Ja, ich liebe Salz!

An die faulen Küchenprofis unter uns: Was ist dein bester Koch-Tipp?

Logan: Mein Tipp: einfach in einem guten Restaurant essen gehen, wir Köche brauchen das Geschäft! Kleiner Spaß. Kochen nimmt normalerweise viel Zeit und Arbeit in Anspruch – aber mit Marinaden, Kräutern, Butter und – wenn anders nicht vorhanden – gefrorenem Gemüse kann wirklich jeder lecker und einfach kochen. Wenn man Spaß hat und dazu noch französische Kochmusik auflegt, ist die Kunst des Kochens wirklich für jeden erlernbar. Man sollte sich Zeit nehmen, riechen – und genießen.

Auch in dem Disney-Film Ratatouille heißt es „Jeder kann kochen“. Stimmt das – und wenn ja: Warum bist du dann so etwas Besonders?

Logan: Sicherlich kann jeder kochen – und jeder hat schon gekocht. Aber es braucht einen gewissen Tropfen Magie, um ein Gericht zu schaffen, das sich von anderen unterscheidet. Das phänomenal ist. Vielleicht liegt es daran, dass es mir schon immer frei überlassen wurde, mit Essen herumzuexperimentieren. Oder an meiner Furchtlosigkeit, Aromen zu kombinieren. Ich hoffe, dass ich ein kleiner Sternekoch wie Ratatouilles Rémy bin – und keiner der anderen Nager.

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Über Präsidenten und der Streit um die Küche mit Mutter Guleff

Du durftest sogar schon die Obamas kennenlernen. Was hat der damalige Präsident und die First Lady dir als Snack oder zum Essen serviert?

Logan: Zwischen 2012 und 2016 veranstaltete die damalige First Lady Michelle Obama fünf „State Dinners“ für Kinder.Insgesamt wurden über 6.000 Rezeptanträge für die Healthy Lunchtime Challenge geprüft und mehr als 270 junge Menschen und ihre Familien im Weißen Haus begrüßt.

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Ich war einer davon. Dabei wurden mir die besten Grünkohlchips serviert, die ich je gegessen habe. Sie waren perfekt knusprig und nicht zu fettig. Die Band, die dazu Lieder aus Disneys „Arielle, die Meerjungfrau“ gespielt haben, machten das Menü zu einem unvergesslichen Erlebnis. Es war mir wirklich eine große Ehre, mit dabei zu sein.

Bei Kinder, die früh berühmt werden, werden häufig Eltern vermutet, die sie zum Erfolg pushen. Was haben deine Eltern gemacht, damit dir neben der „Forbes“-Bestenliste, Fernsehshows und eigenem Kochbuch noch etwas Kindheit bleibt?

Logan: Ich hatte nie das Gefühl, dass ich meine Kindheit aufgeben muss, um der beste Teenager-Koch der Welt zu werden. Klar braucht es als erfolgreicher Koch etwas Zeit, und ich konnte nicht jedes Wochenende mit Freunden verbringen. Aber ich habe das gerne gemacht. Ich konnte sie viele außergewöhnliche Dinge erleben.

Darf deine Mama überhaupt noch in die Küche? Was kocht sie besser als du?

Logan: Mama hat ihre Hälfte und ich habe meine Hälfte. Sie würde jetzt sagen, dass sie viel weniger hat. Ob das so stimmt, sei dahingestellt. Das Gute daran: Wir haben zusammen wahnsinnig viele Kochtöpfe und Küchengeräte. Es ist ein kleiner Raum, aber es war ein großartiger Ort zum Lernen und Erforschen. Meine Mutter ist eine großartige Köchin und sie war mir eine fabelhafte kulinarische Lehrerin. Was sie besser als ich kochen kann? Räusper …

An deiner Stelle hätte ich Sorge, dass ich die nächsten Jahre immer weiter an meinem Erfolg anknüpfen muss. Der Druck ist doch – gerade in der Gastronomie – enorm.

Logan: Das Streben, der beste Koch zu sein, übt immensen Druck auf mich aus. Aber es ist derselbe Druck, wenn ich versuchen würde, eine Olympiade zu gewinnen. Was das Leben als typischer Teenager angeht, so ist das manchmal schon ziemlich schwierig. Aber nicht immer – manchmal hat das auch seine Vorteile. Ich kann mich zurücklehnen, ein bisschen klettern, Musik machen und mit Freunden Pizza essen. Ich habe kein „normales“ Teenie-Leben, aber vielleicht liegt es daran, dass ich von Anfang an nicht „normal“ war und es immer noch nicht bin.

In Deutschland lieben alle den Thermomix – ein sehr teures Küchengerät, das die ganze Arbeit übernimmt.

Logan: Ich habe davon gehört. Das scheint ein ziemliches cooles Gerät zu sein, vielseitig einsetzbar. Da ich noch nie mit einem Thermomix gekocht habe, kann ich nicht viel darüber sagen. Aber es sieht besser aus als ein Instapot. [Anm. d. Red.: Ein Instapot ist eine kanadische Marke für Multikocher] Wenn der Thermomix noch einen Koch braucht, wisst ihr, wen ihr anrufen müsst. Ich bin sicher, dass ich damit ein besonders leckeres Essen zaubern kann.

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Foto: Getty Images / Michael Stewart / Kontributor

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