NOIZZ: Frauen im Fußball? Sehen männlich aus. Frauen im Rap? Werden als Schlampen bezeichnet. Im Sport sowie im Musikbusiness haben Frauen immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen und werden oft auf ihr Äußeres reduziert. Doch sie wehren sich. Female Empowerment ist eine Bewegung, bei der sich Frauen gegenseitig unterstützen und ihre Leistungen sichtbar machen – in jeglichen Bereichen.

Felicitas Rauch ist Bundesliga-Fußballerin für den 1. FFC Turbine Potsdam, Eunique eine erfolgreiche Deutschrapperin, die auch schon in der Clan-Serie „4 Blocks“ mitgespielt hat. Doch Frau ist nicht gleich Frau. Felicitas Rauch und Eunique zeigen, wie verschieden und stark Frauen sein können – und behaupten sich in von Männern dominierten Geschäftszweigen. Aber kann man bei Rap und Fußball überhaupt noch von einer Männerdomäne sprechen? Darüber habe ich mit Felcitas und Eunique am Rande der Nike Women Berlin Days gesprochen, bei denen auch Frauen wie Wana Limar, Zeina Nassar und Loredana am Start waren.

NOIZZ: „Female Empowerment“ ist ein Begriff, der immer häufiger verwendet wird. Doch was bedeutet der eigentlich, für euch?

Eunique: Für mich bedeutet das, zueinander zu stehen und Zusammenhalt zu erzeugen. Wenn man zusammen Erfolge feiert, entwickelt sich daraus ein Gemeinschaftsgefühl. That‘s the shit. Das ist Female Empowerment!

Felicitas Rauch: Dass endlich die Frauen dran sind und gemeinsam eine Power erzeugen. Dass wir gemeinsam für etwas stehen und Ziele erreichen können.

Was macht ihr, um euch gegenseitig zu unterstützen?

Felicitas: Ich unterstütze beispielsweise nicht nur mein Team, sondern auch andere Frauen im Sport – sei es auf öffentlichen Veranstaltungen oder privat. Ich finde, dass Fußball oder Sport allgemein generell etwas ist, bei dem gegenseitiger Support sehr wichtig ist.

Eunique: Ich habe mein „Kobra-Militär“, das ich nebenbei aufbaue. Das sind Mädels, die an ihren Zielen arbeiten und versuchen, sich selbst zu finden. Die schauen, was sie nach der Schule und generell mit ihrem Leben machen wollen. Dabei lerne ich auch selbst viel über mich. Ich motiviere sie, sie motivieren mich. Das ist Team Building – und sehr wichtig.

Sobald es aber um eine größere Sache geht, ziehen alle an einem Strang.

Frauen wird aber immer wieder vorgeworfen, dass untereinander ein starker Konkurrenzkampf herrscht – auch bei Deutschrapperinnen. Ist da Female Empowerment überhaupt möglich?

Eunique: Für mich ist Musik gleich Musik. Kunst ist Kunst. Mir persönlich ist es egal, ob es eine Rapperin oder ein Rapper ist, den ich da höre. Konkurrenz? Der kann man manchmal nicht ausweichen. Ich finde es motivierend, dass es Konkurrenz gibt. Wenn man sieht, was andere machen, kann das antreiben. Sobald es aber um eine größere Sache geht als man selbst – die eigene Karriere oder das eigene Album –, ziehen meist alle an einem Strang. So ist das auch bei Frauen im Deutschrap.

Ich finde allerdings, dass alles im Rap noch sehr männlich ist. Trotzdem merke ich einen Wandel. Wenn man mal schaut, wie weiblich Deutschrap ist, dann sieht man einen deutlichen Unterschied im Vergleich zu vor zehn Jahren. Ich glaube, dass weiblicher Rap und Frauen im Rap-Business immer größer und stärker werden.

Wie sieht die Unterstützung und die Präsenz von Frauen im Fußball aus? Viele sagen, dass bei Fußball gar nicht mehr von einer Männerdomäne gesprochen werden kann.

Felicitas: Es hat sich verändert. Trotzdem ist der Unterschied zwischen Männer- und Frauenfußball immer noch enorm. Aber vor wenigen Wochen gab es ein Spiel, bei dem zum ersten Mal 60.000 Zuschauer zu einem Frauenfußballspiel gekommen sind. Das ist eigentlich schon ein krasses Zeichen, das zeigt: Fußball ist nicht mehr einfach eine Männerdomäne. Ich merke, dass gerade ein Wandel stattfindet und viele anfangen, das zu bemerken. Es findet Akzeptanz statt. Diese Richtung ist wegweisend und wichtig.

Frauen werden immer noch häufig auf ihr Aussehen und ihre Kleiderwahl reduziert. Felicitas, hast du nicht Bock, auf dem Fußballplatz mal so geil aussehen wie Eunique in ihren Musikvideos?

Felicitas: (Lacht) Ich finde es gut, wie Eunqiue aussieht. Das ist einfach sie. Im Fußball steht aber mehr das Team im Vordergrund.

Bei uns spielt es keine Rolle, wer die geilste Lederjacke trägt.

Aber wenn alle so eine Leggings tragen? Fußballerinnen wird häufig vorgeworfen, dass sie in ihrer Kleidung „männlich“ aussehen.

Felicitas: Leggings sind vielleicht eher unpraktisch. Die einen tragen die Hosen ein bisschen höher, die anderen tiefer. Sei es bewusst oder unbewusst. Jeder macht mit der Wahl der Fußballschuhe, ob sie auffällig sind oder nicht, schon ein Statement. Bei uns spielt es keine Rolle, wer die geilste Lederjacke trägt. Es ist wichtig, dass Spielerinnen am besten in ihren Klamotten performen können. Mit Highheels auf dem Fußballplatz funktioniert das einfach nicht.

Im Rap genau das Gegenteil. Wenn Frauen sexy und „weiblich“ gekleidet sind, werden sie direkt als „Schlampe“ bezeichnet.

Eunique: Ich habe lange gebraucht, um ein gewisses Level an Selbstbewusstsein zu erreichen. So, dass ich wirklich ignorant sein kann und mir wirklich egal ist, was andere denken. Aber das ist eine sehr lange Reise. Selbstreflexion ist dabei sehr wichtig. Am Ende ist das, was du trägst, auch das, was du fühlst. Dann musst du damit rocken und sollst dich nicht umziehen, nur weil dich jemand beleidigt oder es jemandem nicht gefällt.

Wir Frauen achten eben einfach darauf, dass unsere Sachen zusammenpassen und wir stylisch – aber auch dem Anlass entsprechend – unterwegs sind. Klamotten sind uns einfach wichtig. Das ist nichts, was andere an uns hervorheben müssen. Und wir selbst müssen drüberstehen, wenn jemand meint, über uns zu urteilen.

Felicitas entschuldigt sich, steht auf und geht – sie muss zum Training.

Eunique, warum traust du dich trotzdem, dich so – wie manch einer leicht abwertend sagen würde – „freizügig“ zu kleiden?

Eunqiue: Eigentlich sollte das niemanden etwas angehen. Ich versuche meine „Freizügigkeit“ eher auf Sportlichkeit zu beziehen. Du siehst mich wohl nie in einem Spitzen-BH. Wenn, dann trage ich dazu Nike-Socken, die bis zu den Knien gehen. Ich selbst möchte mein Outfit auch nicht auf Sexualität reduzieren. Ich versuche, meinen Körper wie einen Tempel zu behandeln. Wenn ich meine Bodygoals erreicht habe, möchte ich die aber auch präsentieren. Deswegen trainiere ich.

Präsentieren?

Eunique: Das bedeutet, dass ich mich wohl fühlen will, wenn ich mich und meinen Körper zeige – sei’s in der Freizeit, sei’s in Musikvideos. Ich will mich frei fühlen.

Warum ist es geil, eine Frau zu sein?

Eunique: Pussy ist Power! Am Ende des Tages ist es die Frau, die Leben zur Welt bringt. Wir sind alles, was den Kreislauf zusammenhält. Darauf können wir stolz sein – und das auch zeigen.

Foto: Promo
Artikel auf NOIZZ.de

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