fudder.de/BZ: Auch Straßenrapper essen Quinoa und Hummus: Fotograf Emil Levy Z. Schramm und Journalist Johann Voigt haben in „Rap Kitchen“ 60 Rezepte von 20 der bekanntesten Rapperinnen und Rapper aus Deutschland veröffentlicht. Auch der Freiburger Haze ist vertreten.

Rap und kochen – passt das? Man stellt sich vor, wie es damals in Sidos Block vom ersten bis zum sechzehnten Stock nach seinen Rouladen gerochen hat…

Johann: Sidos Block hat nie nach Rouladen gerochen. Als er mit B-Tight noch im Block gewohnt hat, gab es meistens nur Nudeln mit Bratensoße – oder Pommes aus der Fritteuse. Er hat erst mit dem Kochen angefangen, als er die Kohle dafür hatte. Vorher hat seine Mutter Rouladen gemacht.

Emil: Die Rouladen von seiner Mutter mochte er gar nicht. Deswegen hat er das Rezept umgeändert. Seine Mutter hat normalen Speck reingemacht, Sido benutzt Serrano-Schinken.

Rap Kitchen
Foto: Emil Levy Z. Schramm

Sido hatte damals keine Kohle fürs Kochen. Wie sieht es mit Rapper*innen aus, denen es ähnlich geht, weil sie noch in den Startlöchern stecken – können die eure Rezepte überhaupt nachkochen?

Emil: Die Rezepte sind nicht alle kompliziert. Silla hat beispielsweise einen einfachen Cheesecake beigetragen. Die Frage ist generell: Was ist denn wirklich teuer? Sido hat damals an der Armutsgrenze gelebt – das ist ein Extremfall. Wenn man in Deutschland aber relativ gut essen will, geht das schon. Man kann halt nicht jeden Tag Rouladen machen. Der Schwierigkeitsgrad der Rezepte ist auch in Ordnung – bis auf die von Prinz Pi. Die sind ein bisschen komplizierter.

Johann: Gerade die Rezepte ohne Fleisch sollte jeder nachkochen können – auch preislich.

Bei Rappern, die Rezepte empfehlen, erwartet man eigentlich Tipps für ein Katerfrühstück oder Junk-Food. Stattdessen gibt es Quinoa-Salat und Hummus. Wie ausgewogen kochen Deutschlands Rapper*innen?

Johann: Es haben einige abgesagt, weil sie eben nicht kochen können – oder viel Fast Food essen. Aber die Leute, mit denen wir gesprochen haben, ernähren sich sehr gesund. Nicht im Sinne von vegan, aber sie wissen, wo sie einkaufen gehen und verzichten häufig auf Zucker.

Schließlich müssen die Künstler*innen auch auf Tour fit sein. Sonst macht der Körper das nicht mit. Das sieht man bei älteren, diversen Amirappern, die sich offensichtlich ungesund ernährt haben. Die stehen mit 40 Jahren auf der Bühne und stehen ihre Konzerte kräftetechnisch eigentlich nicht durch. Vielleicht wollen deutsche Rapper*innen so nicht enden.

Marvin Game hat gesagt, dass das Geilste nach einem Konzert – und Sex – eine Brokkolipizza sei. Wurden euch sonst noch abstruse Geschichten zu Essverhalten verraten?

Emil: Silla hat gesagt: „Gutes Aussehen schmeckt am besten“. Und 3Pluss hat angefangen, vegetarisch zu essen, weil seine Mutter schlechte Kohlrouladen gemacht hat. Dann wurde er Vegetarier, bis er irgendwann betrunken einen Burger verdrückt hat. Dann hat er gelernt, dass nicht alle Fleischgerichte wie die Kohlrouladen seiner Mutter schmecken. Die Aussagen fand ich ganz witzig.

Oder Sido: Der kann sich immer daran erinnern, was er in welcher Situation gegessen hat – und sich quasi mit Essen Eselsbrücken bauen. Er weiß genau, was seine Mutter und seine Frau am Tag vor der Hochzeit gegessen haben, aber nicht, was sie an dem Tag anhatten.

Rap und Kochen: Bei beidem spielt die Herkunft eine wichtige Rolle. Wie heimatbezogen sind die Gerichte in Rap-Kitchen?

Johann: Viele haben Rezepte genannt, die sie noch aus ihrer Kindheit kennen – oder die typisch für die Länder sind, wo ihre Eltern herkommen. Wir haben aber auch versucht, explizit danach zu fragen, um eine bunte Mischung an Rezepten zu sammeln. Beispielsweise Maeckes, der ein Maultaschen-Rezept verraten hat, weil er aus Stuttgart kommt.

Rap Kitchen
Foto: Emil Levy Z. Schramm // Chakuza beim Einkaufen

Haben die Rapper*innen dann immer für euch gekocht, oder wie lief das ab?

Johann: Emil hat die Termine geklärt. Wir waren häufig mit ihnen essen. Wenn es geklappt hat in Restaurants, die sie vorgeschlagen haben. Mit Mauli, Manny Marc, Tai Jason und Chefket haben wir gekocht und mit Chakuza waren wir in einem Feinkostladen Zutaten einkaufen – weil er gelernter Koch ist und in Österreich schon mit Haubenköchen – vergleichbar mit Sterneköchen – gearbeitet hat. Die Rezepte hat dann Basty aufgeschrieben, der Tour-Koch von – unter anderem – Sido.

Wer aus der Rap-Szene ist denn besonders kleinlich beim Kochen und den Rezepten, oder besitzt sogar einen Thermomix?

Emil: Wir wissen es von keinem. Wenn, dann ist es Prinz Pi. Der besitzt auch krasse Kochgeräte wie beispielsweise eine Eiscreme-Maschine. Er legt einfach sehr viel Wert auf gutes Essen. Eunique hingegen kocht eher Freestyle mit dem, was sie hat.

Johann: Es gab aber auch Rapper, die bei ihrer Mutter noch mal nachgefragt haben, wie das Rezept genau lautet. Eko Fresh und Chefket haben das beispielsweise gemacht. Omik K hat sogar im Interview seine Mutter angerufen.

Hat euch plötzlich interessiert, was Chefket außer „Sucuk und Ei“ noch so kann – oder wie kam es zu „Rap-Kitchen“?

Johann: Ursprünglich kam Emil auf die Idee…

Emil: Ich fotografiere für zwei Themenfelder: Rapper und Essen. Mir ist aufgefallen, dass man häufig mit Künstlern über Essen spricht. Das finde ich super interessant, weil im Deutschrap so viele Kulturen zusammentreffen. Dann habe ich mit Patrick thiede von „Das Maschine“ und „Walk The Way Records“ über die Idee gesprochen. Der fand das total spannend und ist dann auch unser Herausgeber geworden. Wir haben uns dann überlegt, wer das schreiben könnte – und da war sehr schnell klar, dass wir das eigentlich nur mit Johann machen wollen.

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Emil Levy Z. Schramm und Johann Voigt

Der Autor:

Johann Voigt ist freier Journalist in Berlin und schreibt Geschichten über Dinge und Undinge der Popkultur. Er war Teil der Redaktion des größten deutschen HipHop-Magazins Juice, heute erscheinen seine Texte in Medien wie taz, Die Zeit, Musikexpress und jetzt.de.

Der Fotograf:

Emil Levy Z. Schramm ist ein talentierter und erfahrener Food-und People-Fotograf, der schon so gut wie alle Schwergewichte der deutschsprachigen Hip-Hop- und Rapszene vor seiner Linse hatte und auch in Sachen Food-Fotografie sehr gefragt ist. Er begegnet den Stars der Szene auf Augenhöhe. Seine Bildsprache ist rough und authentisch, aber nicht ohne den gewissen Glamourfaktor, den das Showbusiness ausmacht.

Info:

Rap Kitchen ist seit dem 8. September 2018 im Handel und beinhaltet 60 Rezepte von 20 der bedeutendsten Rapperinnen und Rapper aus Deutschland. Mit dabei ist unter anderem auch der Freiburger Rapper Haze, der ein Rezept zu Ćevapcici und Kohlrouladen beisteuerte. Außerdem vertreten: Maeckes, Sido, Eunique, Haiyti, Eko Fresh und Chefket.

Foto: Emil Levy Z. Schramm

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