Noizz.de: Warum sollte der Macker der 187 Straßenbande sein Album nach der Liebeswolke benennen? Wirft man einen Blick auf die Tracklist vermutet man viel eher ein Album von Max Herre, Philipp Poisel oder den Soundtrack zu einem Twilight-Film. Hier die Album-Rezi für Noizz.de:


Schmusesänger Philipp Dittberner traute sich lediglich auf „Wolke Vier“, Gzuz dealt direkt auf „Wolke 7“. So heißt das neue, zweite Solo-Album des Hamburger Prolls, der ausnahmsweise nicht im Knast, sondern im aktuellen Playboy gelandet ist. Dabei wurde Gzuz, bürgerlich Kristoffer Jonas Klauß, interviewt.

Doch muss ihm das Covergirl ordentlich den Kopf verdreht haben. Warum sonst sollte der Macker der 187 Straßenbande sein Album nach der Liebeswolke benennen? Wirft man einen Blick auf die Tracklist vermutet man viel eher ein Album von Max Herre, Philipp Poisel oder den Soundtrack zu einem Twilight-Film: „Über Nacht“, „Träume“, „Bis dass der Tod uns scheidet“ heißen drei der dreizehn Songs.

Was ist passiert, Gzuz? Machst du jetzt etwa Kuschelrock? Hast du etwa das falsche Koks gezogen – oder dir im Musikvideo zu „Was hast du gedacht“ zu häufig mit der Glasflasche gegen den Kopf geschlagen?

Wahrscheinlich. Aber das ist okay, denn wir mögen diese Art von Gzuz, der seiner Proleten-Mucke den Namen von Liebesliedern verpasst. Das wirkt sympathisch – und der selbsternannte „Bengel aus St. Pauli“ wagt etwas. So klingt es, als würde Gzuz im Song „Wolke 7“ tatsächlich Hooks einsingen. Und das funktioniert erstaunlich gut.

Selbst Anti-Deutschrap-Hörer, die immer behaupten, „das klingt alles gleich“, halten für einen Augenblick ihre Klappe. Denn die etwas sanfteren Melodien harmonieren mit den Rap-Strophen so gut wie Rum mit Cola. Zugegeben, ansonsten behalten die Kritiker größtenteils Recht. So lässt sich der Inhalt mit den Wörtern „Schicksal, Drogen, Nutten, Jungs, Bullen“ wie im ersten Solo-Album „Ebbe und Flut“ von 2015 ganz einfach zusammenfassen – und überrascht wenig, genauso wie der Ausdrucksstil.

Doch wollen wir die typische, rotzige Stimme von Gzuz auch gar nicht missen. Schon gar nicht erst den dreckigen Sound, den man bei offenem Fenster im Auto pumpt.

Gzuz bleibt seinem Stil treu und setzt zudem eine Assi-Schippe oben drauf. Das, was er auf Wolke 7 zusammengedreht hat, ballert. Der Puls wird schneller und schneller und schlägt bei „Diskutieren“ im gleichen Takt wie die Knarre. Der Sound weckt in jedem Hörer den inneren kleinen Proleten, der voller Wucht gegen die Brust boxt und raus auf die Straße will. Spätestens bei „Drück Drück“ mit LX sieht man sich im Feinrippshirt und Zahnstocher im Mund auf den Hamburger Straßen pöbeln.

Das einzige Fünkchen Romantik in den vermeidlichen Liebesliedern sind lediglich seinen Jungs oder dem CL500 gewidmet. „Du verehrst deine große Liebe? Ich vertrau keiner Schlampe“, rappt GZUZ in „Halftime“. Einzig und allein der letzte und bereits veröffentlichte Trettmann- Song „Nur mit den Echten“ holt den Hörer wieder sanft von der Straße und vermittelt ein Gefühl von Wärme. Gzuz wird es wohl nie auf Wolke 7 schaffen – es sei denn, er ist high.

Er bleibt, was er ist: Ein Proll. Ein Proll, der mit seinem Album „Wolke 7“ jedes Herz zerfetzt, das zuvor für Philipp Dittberner auf Wolke vier geschlagen hat.

Foto: Laura Wolfert aka Photoshop-Philipp

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