Noizz.de: „Spieglein, Spieglein an der Wand: Wer ist die …?“ – ach, egal. Denn wer auch immer die 13. Staffel von Germany’s next Topmodel gewinnt: Die Schönste im ganzen Land ist und bleibt Heidi Klum. Und das nervt.


Heidi, ich habe diese Woche leider kein Foto für dich!

Millionen Mädchen und Jungs sitzen an diesem Donnerstag vor dem Fernseher und möchten sehen, wie eine „von ihnen“ zum Topmodel gekürt wird – vom Dorfmädchen zum Superstar. Doch was wir sehen, ist Heidi. Heidi. Heidi.

Dabei sollte die Casting-Show eigentlich nur eins: beweisen, dass die Mädchen, die da so hübsch im Fernseher posieren, so sind wie wir. Womöglich saßen die Finalistinnen vor einem Jahr ebenfalls in der Jogginghose auf dem Sofa und haben Chips gefuttert. Auch sie mussten zur Schule gehen und sind in keiner Glitzerwelt aufgewachsen. Die Topmodel-Kandidatinnen sind keine Übermenschen. Sie sind wie wir, verpackt in hübschen Kostümen und mit viel Schminke im Gesicht.

Doch dann kommt Heidi Klum: Doppelt so alt wie die Mädchen neben sich – nur mit weniger Falten. Sie hat volles, langes Haar, einen Bauch so dünn wie ein Surfbrett und Zähne so weiß wie die von Meister Propper. Und seit Neustem knutscht sie einen Typen, den ihre „Määäädels“ womöglich als Plakat in ihrem Kinderzimmer hängen hatten. Aber jetzt gehört er Heidi. Da steht sie, völlig überbelichtetet im Scheinwerferlicht – so grell, dass man ihre Nase fast nicht mehr erkennt – und wirkt unnahbar.

Genau das ist das Problem. Sie vermittelt das Gefühl, dass nicht mal die über 20 Jahre jüngere Gewinnerin annähernd so schön ist wie Heidi. Oder jemals eine Heidi werden kann – geschweige denn wir, die Zuschauer. Die Show dreht sich nicht mehr darum, wer Germanys next Topmodel wird – sondern dient als Selbstinszenierung der Modelmama. Und das muss aufhören.

Deswegen: Heidi, ich habe diese Woche leider kein Foto für dich.

Auf Germanys next Topmodel soll aber nicht verzichtet werden. Die Sendung wird häufig verpönt, hat trotzdem Riesenerfolg. Warum? Weil Trash-TV geil ist. Jedes Jahr schaut man sich das Finale an – das eigentlich zu drei Viertel aus Werbung besteht – und sagt am Ende „Nächstes Jahr tu ich mir das nicht mehr an“.

Doch nichts da! Spätestens, wenn einem Mädchen in der dritten Folge eine Vokuhila-Frisur geschnitten wird, sitzen wir gebannt vor der Glotze. Denn wir lieben es, zu lästern, Tweets zu posten und für zwei Stunden in eine Welt des schicken Lifestyles zu tauchen. Dann sagen wir Dinge wie „Die ist viel zu dünn, das sieht nicht mehr schön aus!“ und rechtfertigen so das fünfte Stück Pizza. Doch dann hören wir wieder diese piepsige Stimme: die perfekte Heidi mit ihrem Dauergrinsen ist wieder da.

Heidi, wo sind deine Fehler?

Wo ist der Spliss in deinen Haaren, wo sind deine Augenringe, wann bist auch du mal schlecht gelaunt? Denn wir, die Zuschauer, mögen Fehler – und erst recht, wenn man sie zu gibt. Das macht sympathisch – aber das bist du nicht. Du vermittelst das Gefühl, dass es eine Leichtigkeit ist, eine Superwoman zu sein, und präsentierst dich dementsprechend.

Du bist 44, gibst dich aber wie 22. Wie eine bessere Version von uns, die dir beim Finale zuschauen. Dabei ist eine Frau doch erst „schön“, wenn sie sich nicht älter oder jünger macht. Heidi, hör auf, alte Fotos von dir auf Instagram mit dem Hashtag „Blast from the past“ zu posten. Sei doch stolz, wie du jetzt bist, eine schöne Mama mit 44!

Du musst nicht all deine Fehler preisgeben, schließlich gehört das nicht zum „Show-Business“. Aber dann lass die Inszenierung und dimme den grellen Scheinwerfer. Tritt für einen Abend zur Seite und mach deutlich, dass es ausnahmsweise nicht nur um dich geht – sondern um die Mädchen, ein Teil der Zuschauer.

Deswegen ist die Einzige, die bei dem Finale von Germanys next Topmodel rausfliegen sollte, du – Heidi Klum.

Foto:Heidi Klum / Facebook

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