Noizz.de: Anfang Mai präsentierte Schwesta Ewa in ihrer Instagram Story „Eywa“: eine aufblasbare Sexpuppe, die der Rapperin ähneln soll. „Man kann sie f*cken“, sagte sie. Ende. Besser wird es nicht. Hier die Album-Rezi für Noizz.de:

Die Figur mit den Tribals am Schenkel ist das Geilste, was in der Album-Box „Aywa“ steckt. Ewa war kreativ und hat sich mit ihrem Plastik-Double etwas Neues einfallen lassen, das gefällt und provoziert. Aber musikalisch überrascht Ewa nicht. Alles klingt wie schon mal gehört, der große Krawall-Knall bleibt aus.

Wenn schon Assi-Braut, dann aber bitte richtig. Ewa hätte die Reichweite und Aufmerksamkeit gehabt, um mit ihrem zweiten Album unter Veröffentlichung des Plattenlabels „Alles oder Nix“ von Xatar durch die Decke zu gehen. Immer wieder stand sie in der Presse, wurde wegen Steuerhinterziehung, Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, Zuhälterei und Körperverletzung angeklagt. Hinzu kam die Promo-Aktion mit ihrer Sexpuppe.

Die Erwartung, das Album würde alles toppen, war groß – vielleicht zu groß. Die Rapperin fasst das Album in in ihrem Track „Gossentourist“ selbst in wenigen Worten zusammen: „Schwesta dies, Schwesta das“.

Dabei hätte Ewa so viel zu erzählen: Von Ewa Müller zu Ewa Malanda, einer Prostituierten aus der Frankfurter Szene zu Deutschlands erfolgreichtsten, weiblichen Rapperin. Doch wie kam es zu alldem, was steckt hinter den Vorwürfen – warum die Tränen vor dem Richter? „Nein, sie können es nicht verstehen, nichts fickt härter als das Leben“, rappt sie. Wenn wir es nicht verstehen können, dann erzähl es uns, Ewa.

Doch das macht die 33-Jährige nicht. Was Rappern wie Haze hervorragend gelingt, das Erzählen, den Hörer förmlich auf die Straße zu ziehen und das harte Leben spüren zu lassen, fehlt in dem Album. Nur selten hört man die betrübte Schwesta raus, der etwas auf dem Herzen liegt. So erzählt sie, wie sie zu ihrem Namen „Aywa“ gekommen ist: „Mama betet für mich als ich ackern war, deshalbt nennt sie mich Aywa“. Doch das war´s an Gefühlen, man kann keine Nähe zu Ewa aufbauen. Es fehlt die allbekannte „Realness“.

Natürlich ist das Album perfekt, um im Auto durch die City zu cruisen und einen auf dicke Hose zu machen. Fenster runter, Anlage aufdrehen, Vollgas geben. An Schwesta Ewa kommt auch lange niemand mehr ran – sie bleibt das Paradebeispiel dafür, dass Frauen im Deutschrap mehr als nur mithalten können. So kann beispielsweise Vega oder Samy als Feature gar nicht neben Ewa wirken. Doch hat sie mit ihrem ersten Album „Kurwa“ bereits die Latte zu hoch angesetzt. Ob man in drei Jahren das Album „Aywa“ so feiert, wie heute noch ihre alten Tracks „24 Std.“, oder „Schwesta Schwesta“, ist fraglich.

Kopfnick-Beats sind vorhanden, sorgen aber für kein Schädeltrauma. Das Herz beginnt zwischendurch schneller zu schlagen – beruhigt sich aber genauso schnell wieder.

Die Melodien sorgen für einen nahtlosen Übergang, werden nach den ersten zehn Songs aber schnell eintönig. Die Tracks „Pum Pum“ und „Ware Liebe“ klingen nahezu gleich: Mukke zum Popowackeln, Deutschrap mit Dancehall-Vibes für den Sommer – kennen wir aber bereits von Bonez und RAF Camoras „Palmen aus Plastik“.

Der Beat und Slang wummst erst wieder bei „Herr Wärter“ so richtig. Neben dem voluminösen SSIO-Stimmsound gibt auch Ewa endlich ihren Assi-Slang zum besten. Dass die Polin eigentlich richtig geil rappen kann – und das besser als ihre männlichen Kollegen – beweist sie in „Escort Flow Deux“. Dabei übertönen die Beats nicht ihre Stimme, der Fokus liegt auf ihren Rhymes – und das gefällt.

Das Album ist mit 16 Songs einfach in die Länge gezogen, die Texte wiederholen sich: „Mädels hier, Mädels da, ficken, Bullen, Knast“.

So ist das Album „Aywa“ zu hoch angepriesen worden und bleibt nichts Halbes und nichts Ganzes. Die besten Tracks sind die Singles, die bereits vor dem Album veröffentlicht wurden: „Mein Geständnis“, „Schubse den Bullen“ und „Alles nur Show“. Ewa bleibt uns als Mensch fremd – genau wie ihre Plastikpuppe. Doch die hat wenigstens überrascht und provoziert.

Foto: Screenshot Instagram Schwesta Ewa

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