fudder.de/BZ: Megaloh tanzt mit seinen kräftigen, dunklen Oberarmen direkt vor der Nase der Zuschauer. Man könnte sogar seine weißen Nikes berühren. Der Berliner hat am Mittwoch im Spiegelzelt auf dem ZMF sogar die Mütter zum Rappen gebracht.

Die Stage

Schweißperlen fließen von Megalohs Stirn über seine markanten Wangen und tropfen auf den Boden der Bühne. Lilafarbene Scheinwerfer beleuchten seinen grimmigen Gesichtsausdruck: Dicke, pochende Adern zeichnen sich an seiner Schläfe ab. Die Stirn runzelt und seine zusammengezogenen Augen starren in die Menge. Er hält das Mikrofon direkt an seinen Mund, das er beim Rappen fast mit seinen großen, vollen Lippen umschlingt.

Megalohs tiefe Stimme wummert durch die Anlage: „Mittelfinger für die Cops, wenn sie uns bedrohen, ich lasse mir nichts sagen“. Er kniet, dreht, hüpft und tänzelt in seiner lockeren, khakifarbenen Hose von links nach rechts, von vorne nach hinten. Sein enganliegendes Shirt schmiegt sich an seine kräftigen Oberarme. Shirt und Hose: beides klatschnass – nach nur 20 Minuten Konzert. Megaloh pumpt den Beat, gibt Vollgas. Er ist die Bühne selbst. Der dauergrinsende DJ im Afro-Shirt und die Musiker mit Posaune und Saxofon im Hintergrund gehen durch seine Präsenz im Kunstnebel unter.

Die Crowd

Keine Absperrung vor der Bühne. Die Versuchung in der ersten Reihe, Megalohs weiße Nikes zu berühren ist groß. Sogar die abstehenden Härchen sind auf seinem Arm zu erkennen. Man spürt, wie das Herz im Takt pocht – und es schlägt noch schneller, wenn der Rapper einen mit seinen großen, braunen Augen zuzwinkert. Zwei Jungs, links von der Bühne, rasten völlig aus. Sie fahren sich mit ihrer Hand durch die Haare – können kaum glauben, was Megaloh auf der Bühne abliefert. Sie hüpfen hoch und runter und fallen ihm fast vor die Füße.

Die Crowd ist jung: Ein paar Studierende und vereinzelte Teenies, deren Mütter sogar am Rande des Geschehens warten, tummeln sich im Spiegelzelt. Keiner bleibt stillstehen. Selbst die Mütter fangen an, mitzurappen und zu tanzen. Die Musik fließt förmlich von Megaloh auf die Zuschauer über – bis in die Finger- und Fußspitzen. Das man schwitzt, das Shirt am Rücken klebt und wie man tanzt ist egal. Die Zuschauer sind im Hier und Jetzt und saugen den Moment und Megalohs Musik auf. Es wird gekreischt, getanzt, gelacht, geflirtet. „Mega loco, Baby!“

Track-Check

Ein Mitarbeiter des ZMF schreitet auf die Bühne und drückt dem Rapper ein Glas in die Hand. Megaloh nimmt vier große Schlücke. Die Melodie von „Whsikey Cola“ ertönt – ein Klassiker. „Viel Alk, wenig Eis und vergiss’ den Strohhalm“, rappt er. Die Crowd setzt ein, kennt den Text auswendig. Megalohs Setlist ist eine Mischung aus seinen erfolgreichsten Hits wie „Regenmacher“, „Anorak“, „Yogibär“, oder „Loser“.

Ein Schmankerl gibt es oben drauf: Nachdem Megaloh für eine zweite Zugabe auf die Bühne hüpft, stellt er zwei Lieder seines neuen Musik-Projekts „BSMG“ vor, das demnächst erscheinen soll: „Platz an der Sonne“ und „Jesse Owens“. Letzteres bezieht sich auf den dunkelhäutigen Sprint-Leistungssportler, der bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin unter dem kritischen Auge von Hitler und Goebbels vier Goldmedaillen gewann.

Megalohs Augen leuchten, als er die Zeilen in das Mikro rappt. Der Song ist mit dem von Null auf Hundert einschlagenden Beat das Highlight seines Konzerts. „Jesse, Jesse, Jesse!“, schreit die Crowd, streckt die Arme in die Luft. Schweißtropfen von Megaloh landen auf der Gänsehaut der Zuschauer in der ersten Reihe.

Schwitzfaktor

Der letzte Track des Abends „Hitze“ bringt das Konzert auf den Punkt. „Wer hat die Hitze und setzt den ganzen Laden in Brand?“ Na, Megaloh natürlich. Und wie!

Flirtalarm

Immer wieder sucht er den Blickkontakt mit der ersten Reihe. Er schaut mit seinen großen, dunklen Augen durch die Zuschauer hindurch. Er tanzt mit seinen kräftigen, dunklen Oberarmen direkt vor der Nase. Man riecht ihn, sieht seine perfekten Zähne, wenn er verschmitzt lächelt. Um die Mädchen ist es geschehen. Aber selbst die Jungs hat „Mega“ in seinen Bann gezogen.

Pauschalurteil1

Ein Konzert braucht nicht immer viel Show. Es reicht ein Musiker, der liebt was er macht – und das zeigt: wie Megaloh. Ein großartiges Konzert ohne viel Schnick-Schnack – bei dem sich jeder Cent der 30 Euro lohnt.

Foto: Laura Wolfert

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